Resilienz – mehr als Wellness: Eine Schlüsselkompetenz in der Tiermedizin
In der Tiermedizin bedeutet Resilienz die Fähigkeit, unter Dauerbelastung gesund, klar und handlungsfähig zu bleiben. In kaum einem anderen Beruf treffen Fachkompetenz, Verantwortung, Emotion und Zeitdruck so geballt aufeinander wie in der Tierarztpraxis. Zwischen Notfällen, Teamführung, Tierhalterkommunikation und Personalengpässen bleibt wenig Raum für sich selbst. Viele Praxisinhaber:innen funktionieren – aber sie führen nicht mehr. Der Schlüssel zur Veränderung liegt in einem trainierbaren mentalen Muskel: Resilienz.
Was bedeutet Resilienz für Tierärzt:innen?
Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, Stress zu regulieren und nach Rückschlägen wieder ins Gleichgewicht zu finden – nicht durch Verdrängung, sondern durch bewusste Selbstführung. Es geht nicht darum, härter zu werden, sondern elastischer, flexibler und klarer zu bleiben, wenn es schwierig wird. Resilienz ist kein Talent, sondern trainierbar.
Die 7 Säulen der Resilienz im Praxisalltag
1 Akzeptanz – Die Realität sehen, wie sie ist
Praxis-Tipp: Innerlich sagen: „Das ist die Lage. Ich muss sie nicht mögen – aber ich kann entscheiden, was ich jetzt daraus mache."
2️ Optimismus – Den Fokus bewusst lenken
Praxis-Tipp: Starte Meetings oder den Arbeitstag mit: „Was ist uns letzte Woche gut gelungen?"
3️ Selbstwirksamkeit – Vertrauen in die eigene Einflusskraft
Praxis-Tipp: „Wirksamkeitstagebuch" führen – täglich drei Dinge notieren, die du positiv beeinflusst hast.
4️ Bindung – Verbindung statt Überforderung
Praxis-Tipp: Kleine „Teamanker" einbauen: kurze Check-ins, Wertschätzung, offene Worte.
5️ Lösungsorientierung – Aktiv statt reaktiv
Praxis-Tipp: Frage dich bei Problemen: „Was wäre ein erster kleiner Schritt, um Struktur reinzubringen?"
6️ Zukunftsorientierung – Sinn und Richtung behalten
Praxis-Tipp: Formuliere dein persönliches Praxisleitbild: „Ich will eine Praxis führen, in der…"
7️ Selbstverantwortung – Der Schlüssel zu innerer Freiheit
Praxis-Tipp: Bei Ohnmacht fragen: „Was liegt doch in meiner Hand?"
Selbstverantwortung – die Königsdisziplin der Resilienz
Selbstverantwortung bedeutet, nicht alles kontrollieren zu können – aber immer den Umgang damit zu gestalten. Sie ruht auf drei inneren Kompetenzen, die darüber entscheiden, ob wir nur reagieren oder bewusst handeln.
Selbstwahrnehmung – Die Basis
Praxis-Tipp: Mehrmals täglich fragen: „Wie geht es mir – körperlich, emotional, gedanklich?"
Selbstreflexion – Die Metaebene einnehmen
Praxis-Tipp: Nach stressigen Momenten fragen: „Was hat gut funktioniert? Was würde ich anders machen?"
Selbstwirksamkeit – Vertrauen in die eigene Stärke
Praxis-Tipp: Am Tagesende drei Dinge notieren, die du selbst positiv beeinflusst hast.
Fazit
Selbstverantwortung entsteht, wenn Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit zusammenspielen. Sie verwandeln Stress in ein Signal zur Veränderung und machen aus einer automatischen Reaktion eine bewusste Entscheidung.